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Das neue „Informationszentrum Besucherbergwerk Fell“





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Am Anfang stand eine Idee: wie lässt sich das bestehende Museumsgebäude des Besucherbergwerks Fell in ein Besucherzentrum umwandeln, das mit modernen Präsentationsformen über die Geschichte des ehemaligen Schieferbergwerks, die Arbeit unter Tage, die Verwendung des Schiefers und seine heutige Nutzung berichtet. Gleichzeitig sollte eine multifunktionale Nutzung des Raumes für ein Bistro und zusätzliche kulturelle Veranstaltungen geschaffen werden - und das alles verwirklicht mit einem kleinen Budget.

Die Ausführung: Die Lösung hieß „Einhausung“, das heißt, über dem Ursprungsgebäude wurde ein zweites errichtet, im entstehenden Zwischenraum ließen sich alle übrigen Anforderungen verwirklichen – ein architektonisches Kleinod entstand.

Der neue Multifunktionsraum folgt in seiner Ausgestaltung dem vorgegebenen Thema „Schiefer“, gedämpfte Raumfarben erzeugen eine geheimnisvolle Atmosphäre, in der die einzelnen Highlights der graphisch ausgestalteten Ausstellung farbig und be- bzw. hinterleuchtet neugierig auf das „Dahintersteckende“ machen. So werden die Besucher nicht nur auf die Themen der Ausstellung eingestimmt, sondern können diese sich geborgen fühlende Grundstimmung auch bei ihrem Aufenthalt im Bistro genießen.

Die Themen der Ausstellung orientieren sich überwiegend an den Besonderheiten des Ortes Fell und des zugehörigen Bergwerkes. Die didaktische Aufbereitung zieht den Besucher in die Welt der alten Bergleute hinein, nicht nur mit Fakten über die Geologie des Schiefers, die benutzten Werkzeuge und die Endverarbeitung, sondern zusammen mit nacherlebbaren Geschichten, Sinnsprüchen, Einzelschicksalen und Heiligenverehrung wird die Welt der Bergleute wieder lebendig – ein Erleben wird so möglich. Diese Geschichten erzählen zum Beispiel von der schweren Arbeit unter Tage, von Unglücken, Bergrutschen und der Bedeutung der Sage von der heiligen Barbara für die Bergleute. Selbst die „letzte Schicht“ im Leben stand noch unter dem Eindruck des ehemaligen Berufslebens:“ Wir fahren ja alle, gewürfelter Hauf, hinauf in ein großes, unsterbliches Licht, zur letzten und längsten und ewigen Schicht“. Dieser Teil leitet über zur Darstellung moderner Abbau- und Verarbeitungsmethoden, dargestellt u.a. anhand einer großen Wand, auf der die Verkleidung mit den unterschiedlichen Deckungsarten Lust machen auf ein eigenes schiefergedecktes Haus.

Immer wieder werden die Besucher eingeladen Türen und Klappen zu öffnen, Lichter zu setzen etwas zu bewegen, um sich weitere interessante Themen zu erschließen. Über historische Aufnahmen vermittelt, erklären sich die Historie und Funktion der Auffinde- und Abbautechniken, der Werkzeuge und der Schieferverwendung, zum Teil auch nacherlebbar in einem nachempfundenen Gang durch einen Bergwerkstollen, alles unter dem Motto „Mit jeder Einfahrt riskierten die Bergleute ihr Leben“.

Zu den naturkundlichen Besonderheiten von Fell gehört, mit allein sechzehn Arten, die große Artenzahl von Fledermäusen, die zum größten Teil auch im ehemaligen Bergwerk überwintern. Über die gesamte Ausstellung verteilt finden sich immer wieder Orte, an denen Spannendes und ansonsten nirgendwo Präsentiertes über Fledermäuse berichtet wird. So wird das Geheimnis gelüftet, warum Fledermäuse monatelang kopfunter hängen können, ohne dass ihre Beinmuskeln ermüden – die Besucher werden mit einem Spielgerät ermuntert, dies doch einmal selbst zu versuchen – sie werden merken, dass sie dies nur wenige Minuten durchhalten. Auch den spannenden Fragen „wie entwickelten die Vorfahren der Fledermäuse in der tiefen geologischen Vergangenheit ihr Flugvermögen und die Fähigkeit zur Echoortung“ bis hin zu den Fähigkeiten des „FledermausMannes“ der richtungweisende Methoden für blinde Menschen entwickelte, sich im Raum zu orientieren, wird in der Ausstellung nachgegangen.

Zu guter Letzt wird das eigentliche wirtschaftliche Standbein des Ortes Fell präsentiert - der Weinbau. Wesentliche, ehemals revolutionäre Innovationen wie das Rigolen des Untergrundes, ermöglichten die Produktion hochwertiger Weine auch in einer Zeit, als noch keine käuflichen Düngemittel zur Verfügung standen. Auch hier wieder Erlebnisstationen für die Besucher: zum Beispiel eine schwere Kiepe, die einen steilen „Weinbergshang“ hinaufgetragen werden kann, um es so erlebbar zu machen, was es bedeutet, in den Steillagen der Mosel und ihrer Nebentäler Weinberge zu pflegen und Trauben zu ernten.

© Dr. Michael Wuttke, 9.01.2013